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    Finale in Großhadern - Debakel für die Nord-Teams

     c280x210 280x210 toelzerAndreas Tölzer (links) steht im Finale für Abensberg auf der Matte (Foto: Erik Gruhn)

    Der TSV Großhadern ist am 19. Oktober Gastgeber für die vier besten deutschen Judo-Mannschaften. Die Rand-Münchner setzten sich im entscheidenden Playoff-Kampf beim eigentlich favorisierten Nordmeister Hamburger Judoteam mit 9:5 durch und machten damit das 6:6 aus dem Heimkampf vor Wochenfrist mehr als wett. Ein regelrechtes Debakel erlitten die vier besten Teams der Nordstaffel, die allesamt gegen die Vertreter aus dem Süden den Kürzeren zogen.

    Titelverteidiger und Topfavorit TSV Abensberg gewann gegen SU Annen Witten 10:3 (Hinkampf 9:5). Ebenso deutlich setzte sich der letztjährige Vizemeister KSV Esslingen mit 10:3 (7:7) gegen den JC 90 Frankfurt/Oder durch. Im Duell der beiden alten Ostrivalen egalisierte der UJKC Potsdam zwar das 6:7 beim JC Leipzig durch ein 7:6 in heimischer Halle, lag aber bei den Unterpunkten mit 71:99 deutlich zurück.

    HJT-Manager Schynol: „Alles schief gelaufen, was ging“

    Groß war die Enttäuschung in Hamburg, wo 500 Zuschauer ihre Mannschaft ebenso leidenschaftlich wie letztlich vergeblich anfeuerten. Großhadern entführte nicht nur den Sieg aus der Hansestadt sondern zugleich auch die schon fast sicher geglaubte Ausrichtung der Finalrunde, die dem Sieger dieses Duells zusteht. „Diesmal ist alles schief gelaufen, was ging“, erklärte Hamburgs Teammanager Thomas Schynol. Zunächst mussten die Norddeutschen auf ihren Schwergewichts-Punktegaranten Juri Krakovetzki verzichten. Der Kirgise hatte die Order seines Verbandes zur Teilnahme am Weltcup in Almaty/Kasachstan. Die Hamburger verhandelten bis zuletzt, aber erfolglos. „Da fehlten uns schon zwei sicher geglaubte Punkte“, sagte Schynol. Der nächste Schock folgte beim Warmmachen, als das Knie des frisch gebackenen EM-Dritten der U21 David Tekic dick anschwoll, und im Sinne der weiteren WM-Vorbereitung des Hamburgers Topkämpfers ein Startverzicht logische Konsequenz war. Zu allem Überfluss verletzte sich der in Großhadern noch starke Nico Müller gleich im ersten Kampf nach zehn Sekunden an der Schulter. „Gegen eine starke Mannschaft aus Großhadern war das einfach nicht zu kompensieren“, sagte Schynol. Auffällig im Team der Gäste war einmal mehr Extraleichtgewichtler Tobias Englmaier, der seine Playoff-Bilanz auf vier Siege in vier Kämpfen ausbaute.

    Starkes Esslingen diesmal klar überlegen

    Chancenlos war nicht nur Witten beim Serienmeister in Abensberg sondern auch Frankfurt/Oder in Esslingen. „Wir waren in Frankfurt ohne fünf Stammkräfte am Start, haben aber das Ergebnis in für uns erträglichen Grenzen gehalten. Das war der Grundstein zum Sieg“, sagte Esslingens Trainer Carsten Finkbeiner. Michael Pinske, der im Hinkampf nach Muskelfaserriss nicht einsatzfähig war, punktete diesmal ebenso, wie der beim ersten Duell beruflich verhinderte Martin Schumacher. „Frankfurt war nicht schwach. Nach der ersten Hälfte stand es ja nur 4:3, aber dann lief es für uns wirklich komplett optimal“, sagte Finkbeiner.

    Leipzig lag in Potsdam vor knapp 1.000 Zuschauern und 100 mitgereisten eigenen Fans schon 4:7 zurück, schaffte aber auf den sprichwörtlichen letzten Drücker durch Robert Gess und Schwergewichtler Fabian Hubert noch nie nötigen zwei Siege zum Einzug in das Finalturnier, wo nun in Großhadern der Judo-Gigant Abensberg (den anderen Kampf bestreiten Großhadern und Esslingen) wartet. „Wir haben schon viel mehr erreicht, als erhofft. Jetzt fahren wir ganz entspannt nach München“, sagte Leipzig Teamchef Paul Staroste. „Die zwei Duelle gegen Potsdam waren an Dramatik und auch an Stimmung kaum zu überbieten.“

    Den Umstand, dass im Finale am 19. Oktober vier Südteams die Kräfte messen, kommentierte Carsten Finkbeiner mit der „generell größeren Substanz“ der Südvereine, „wenn sie komplett antreten“. Thomas Schynol dagegen meinte, dass hinter den Topvereinen Abensberg und Esslingen Norden und Süden auf gleichem Niveau kämpfen und sprach mit Blick auf die diesjährige Finalbesetzung von einer „Momentaufnahme.“

     

                                                                                                                          Peter Stracke