• 1. Bundesliga Männer

    Last-Minute-Ticket für Leipzig

    Pachel Matchwinner TSV-JCL 2017Florian Pachel siegt über Trbovc (SLO) Foto: Florian Schäfer - JCL

    "Ja ist denn das die Möglichkeit?" Im buchstäblich letzten Kampf der letzten Vorrundenbegegnung holt Leipzig gegen den Vizemeister des Vorjahres den Sieg, damit zwei Punkte für die Tabelle und als Konsequenz das Ticket für das Viertelfinale. Ein spannender Kampf, den es sich lohnt noch einmal on demand auf Sportdeutschland.tv anzuschauen:

    Zum Kampf in voller Länge auf sportdeutschland.tv

    Es war ein Kampftag der großen Emotionen und das von Beginn an. Um zehn Uhr rollte der Reisebus an der Leipziger Nordanlage los. Aber er rollte nur kurz, Sekunden nach der Auffahrt auf die A9 sah man sich einem Stauende gegenüber. Mehrere Fahrzeuge waren in Brand geraten und verursachten so eine Vollsperrung, über zweieinhalb Stunden bewegte sich gar nichts. Und mit einem Reisebus lässt sich bekanntlich auch schwer Zeit herausfahren, so war eine Ankunft vor Wiegeende, geschweige denn zu Wiegebeginn undenkbar. Damit stand fest, den ersten Kampf gilt es heute schon vor der Wettkampfhalle zu gewinnen. Die Mobiltelefone glühten und es fanden sich mehrere verrückte Judoanhänger, darunter die Sportfreunde vom SG Friesen Naumburg, die umgehend den Vereinskleinbus, inkl. Fahrer starteten. Zwischenzeitlich gab es sogar soviel Zuspruch, dass man erste Helfer wieder ins Wochenende entlassen konnte - Wahnsinn! Ein großes Dankeschön an dieser Stelle dafür. So war es möglich das die drei Kleinbusse pünkltich eintrafen. Die Pressesprecherin nebst Live-Stream-Technik und Bundesligatropfenbanner sowie der Busfahrer hatten nun den 50-Sitzer für sich alleine. Wissend worum es heute gehen würde, alles oder nichts, gingen die Athleten aber höchst professionell mit der Situation um. Ehrmann siegte in der Eröffnungspartie gegen Bizon und im Anschluss auch Tom Patzenhauer im Golden Score mit Ippon nach 4 Minuten 44 Sekunden über Julian Kolein. Bereits dieser zweite Sieg wurde bei den Leipzigern gefeiert wie ein Sieg der Mannschaftsbegegnung. Denn im Vorfeld war klar wie eng die Begegnung werden würde. Ähnlich knapp gestaltete sich die Begegnung bis 100kg Johannes Frey gegen René Kirsten - am Ende entscheidet im Golden Score die 3.Verwarnung den Kampf zu Gunsten Freys nach 4:45. Gotonoaga, MDL macht am Boden gegen Cavlius das 1:3 klar. Und Natea, ROU gegen Freidenberg baut ungefährdet aus auf 1:4. Im darauffolgenden Duell 90kg macht Nyman mittels seiner Stärke am Boden einen Anschlusspunkt und nach Wazari-Rückstand punktet auch der Slovene Trbovc gegen Onufriev - Halbzeitstand: 3:4 ---- Große Besprechung des Trainerstabes bei den Leipzigern, angesichts der wichtigen Aufgabe hatte man sich mit vier ausländischen Jokern ergänzt um ideal pokern zu können. ---- Doch Durchgang zwei ging nicht gut los, aus Leipziger Sicht, Bizon gelang die Revanche gegen Ehrmann und damit sein erster Punkt für's Haderner Team dieses Jahr. Doch den Verlust dieses "Bigpoints" glich Mackeldey eindrucksvoll aus, indem er weitgehend ungefährdet und technisch variabel Vennekold keine Chance ließ, die schnelle Wazari-Wertung ergänzte er um zwei weitere, bevor er den Vorsprung routiniert 60 Sekunden verwaltete. Darauffolgend machte Johannes Frey nicht nur Eindruck mit seiner Wazari-Wertung gegen Kirsten, sondern auch mit dessen Sprüchen zu seinem Gegener im Bodenkampf ... selten im Judo! Das eng geführte Duell spitze sich durch eine Wazari-Wertung für Rene Kirsten zu, die kurz darauf wieder zurück genommen wurde. Auch der am Knie verletzte Bruder Karl-Richard Frey setzte sich in Szene, als er in einer Kampfunterbrechung auf die Matte sprang, ebenfalls selten im Judosport. Der "kleine" Frey jedenfalls verabschiedete sich mit einem weiteren Punkt für Hadern sowie mit einem Handschlag und einer versöhnlichen Umarmung von Kirsten, während der "große" Frey der Halle verwiesen wurde. Aber auch bei diesem Aufreger galt eigentlich nur eins, der Punktestand - 5:5 - Ein schmerzlicher Ausgleich. Denn auch Hadern hatte die Punktgaranten Nyman und Trbovc in der Aufstellung behalten. Aber vorher siegten die Hochkaräter Gotonoaga über Blöchl und Natea über Messelberger zur 5:7 Führung. Jesper mehr als beherzt gegen Nyman, doch der stellte erneut seine Weltklasse am Boden unter Beweis. Wissend das ein Unentschieden nicht reichen würde, hatten wohl alle Leipziger ein Kloß im Hals als der Abiturient aus diesem Jahre, Florian Pachel, gegen Trbovc auf die Matte ging. Hingegen auf Haderner Seite sollte zu diesem Zeitpunkt eine gewisse Zuversicht vorgeherscht haben. Schließlich hatte Trbovc letztlich in seinem Heimatland Slovenien den EC in Celje souverän für sich entscheiden können - und dies bis 66 kg !! Aber wie vor dem Kampf durch die Leipziger angekündigt - Mannschaftskämpfe haben Ihre eigenen Gesetze. Und der Ippon durch Pachel 17 Sekunden vor dem Ende bei Waza-Ari ausgleich zuvor war alles andere als ein "Lucky-Punch" - gut ausgebildet und beweglich zeigte Pachel dem Slovenen zunächst in fünf Bodensituationen, dass er weiß wie man sich im Boden verteidigt, um dann sogar selber den Slovenen fast zur Festhalte zu bringen. Nach einen Hüftduell und anschließendem Wechsel von großer auf kleine Innensichel mit dem Fuß - war der Ippon erlangt, der Slovene fiel voll auf den Rücken. Pachel brauchte ein paar Sekunden um zu realisieren, was er da vollbracht hat, bevor bei dem sonst eher introvertierten Pachel alle Emotionsdämme brachen. Das Foto zeigt die Begrüßung des von der Matte kommenden Matchwinners Pachel durch seine Teamkollegen. Was für ein Kampftag! Die Leipziger weilten im Anschluss noch gemeinsam im Augustiner Biergarten. Um danach fast geschlossen noch in der Discothek "Neuraum" den Sieg zu feiern. Fast geschlossen deshalb, weil Matchwinner Pachel und Emil-Johann Hennebach bei der Teamleitung anfragten, ob Sie sich von der Gruppe entfernen dürften. Sie wollten und haben das Deutschland-Randori der Junioren am Sonntag neun Uhr in Hadern zur Vorbereitung für kommende Aufgaben genutzt. Am 30.09. sowie am 07.10. geht es nun gegen den Sieger der Nordgruppe - den UJKC Potsdam. Für die Leipziger kein völliger Überraschungssieger der Nordstaffel ! Hat die Vorrundensaison 2017 doch eindrucksvoll unter Beweiß gestellt, dass es die ganz klassiche Rollenverteilung im Judo-Oberhaus, nicht mehr gibt.