• 1. Bundesliga Männer

    Bronze für die Annener Goldjungs

     c280x210 280x210 finale 2 sua

    Judo-Bundesligist SU Annen ist nach 2006 und 2007 erneut Dritter der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft. Dieser Erfolg wurde nach der Finalrunde noch ausgiebig in Abensberg gefeiert.

    An der Abens unterlag das junge und stark ersatzgeschwächte Team um Trainer Andreas Reh vor rund 1000 Zuschauern in der Josef Stanglmeier-Halle dem Süd-Zweiten JC Leipzig zu hoch mit 5:9. Neuer Titelträger ist Abonnement-Meister TSV Abensberg (16 Titel, neun davon in Folge seit 2002).

    Knapp am Finale vorbei

    Die Niederbayern besiegten im Halbfinale den KSV Esslingen mit 8:4 und im Endkampf den JC Leipzig mit 10:3. Für Leipzig ist die Vize-Meisterschaft der größte Erfolg in der Klubgeschichte. Annen griff hingegen knapp an der zweiten Final-Teilnahme nach 1988 vorbei.

    Gegen den Vorjahres-Dritten wurde die SUA gleich im ersten Durchgang böse geschultert. Nach mehreren Seoi-Nage (Schulterwürfen) lag die Staffel von Andreas Reeh schon mit 0:5 hinten, ehe die beiden einzig mitgefahrenen Niederländer Marvin de la Croes und Hendrik Schoeman auf 2:5 verkürzten und die Wittener im Rennen hielten.

    Volles Risiko im zweiten Durchgang

    Im zweiten Abschnitt ging Andreas Reeh volles Risiko, zog in den ersten beiden Duellen nach der Pause mit Marvin de la Croes und Johannes Karsch gleich zwei Judoka je zwei Kategorien hoch. „Und das wäre fast auch aufgegangen“, freute sich Taktik-Fuchs Reeh über die sehr starken Leistungen seiner neuen „schweren Jungs“.

    Karsch zeigte einmal mehr, dass er der Mann für die schweren Fälle ist. Den vom Samstag gegen René Kirsten löste er souverän offensiv. Die Anerkennung seiner Mitkämpfer war ihm dabei gewiss. Sie feuerten ihn an, rieben sich verwundert die Augen, litten mit ihm mit und feierten ihn anschließend gebührend. Karsch brachte die Ruhrstädter auf 4:5 heran.

    Ein Kompliment

    Neben diesen beiden enormen Kraftakten ist der kompletten Annener Mannschaft ein Kompliment zu machen. Das war am Samstag ganz starker Judosport, wie überhaupt in der gesamten Saison.

    „Der Knackpunkt gegen Leipzig war die Disqualifikation von Lutz Behrla im zweiten Kampf. Das tat richtig weh“, sagt Reeh. Doch was dann folgte war für ihn: „Ein Beweis für die tolle Moral in der Truppe und der unbändige Kampfeswillen eines jeden.“

    Darf man mal verlieren

    Ohne den Olympia-Neunten Benjamin Behrla, die U23-EM-Starter André Breitbarth und Albert Fercher sowie Jeroen Mooren, Robby van Laarhoven, Christoph Najdecki und Daniel Lachmann war diesmal nicht mehr drin. Die, die kämpften, boten äußerst starke Leistungen. Und wenn man die bringt, dann darf man auch mal verlieren.

    SU Annen scheitert an starken Sachsen

     

    Abensberg. Der Traum vom Einzug ins Bundesliga-Finale hat sich für die Judoka der Sport-Union Annen nicht erfüllt. Schon der erste Durchgang gegen den JC Leipzig (2:5) lief alles andere als wunschgemäß - am Ende hieß es 5:9 aus Sicht der personell arg gebeutelten Mannschaft von Trainer Andreas Reeh (insgesamt fehlten sieben Stammkräfte), die sich aber mit der Bronzemedaille trösten kann.


    In der Schwergewichts-Klasse (+100 kg) vertrat zum Auftakt am frühen Morgen in der vollgepackten Abensberger Josef-Stanglmeier-Halle Marcello Greco den in der Liga bislang ungeschlagenen André Breitbarth - und musste gegen Leipzigs Coach Henry Hubert (32) ‘ran. Der erfahrene Judoka, mit deutlichen Längenvorteilen gegenüber Greco, beherrschte das Duell, war der wesentlich aktivere Kämpfer - der Annener war nahezu stets auf dem Rückweg. Letztlich reichte Hubert eine Yuko-Wertung (durch eine große Außensichel), um den ersten Zähler einzufahren.

    Eigentlich lag Lutz Behrla (-100 kg) schon auf dem besten Weg, gegen den erst 17-jährigen Martin Nussmann für den 1:1-Ausgleich zu sorgen. In der dritten Kampfminute ging er mit einer Yuko-Wertung in Front. Doch dann patzte Behrla, griff am Mattenrand an das Bein des Gegners - seit einiger Zeit ist das im Judo verboten, so dass der verdutzte Annener dafür glatt disqualifiziert wurde (Han-soku-make).

    Auch Marcel Haupt (-60 kg) ging leer aus - gegen den Schweizer Ludovic Charmmartin hielt er sich 90 Sekunden lang richtig gut, erlaubte sich dann aber eine kleine Unachtsamkeit, die sein Kontrahent gleich mit einem satten Schulterwurf bestrafte. Schon 0:3 aus Sicht der SUA - die Felle schwammen allmählich davon. Woran sich auch im Kampf von Annens Youngster Christopher Köllner nichts änderte. Der 66-kg-Kämpfer der Wittener kassierte schon in der ersten Minute eine Yuko-Wertung (Seoi-nage), dann per Kontertechnik noch eine zweite. Nach gut vier Minuten beendete der Leipziger die Auseinandersetzung mit einem gekonnten Schulterwurf - Ippon, das 4:0.

    Leipziger legen 5:0-Führung vor

    Noch Zeit genug für die Wende eigentlich, doch als sich dann auch Jonas Focke (-73 kg) mit Waza-ari gegen Norbert Fleischer geschlagen geben musste, wurden beim Zwischenstand von 0:5 auch die Anfeuerungsrufe aus der Wittener Ecke deutlich leiser. Doch nun kam ja die niederländische Fraktion der SUA auf die Matte - Marvin de la Croes sorgte in der Klasse bis 90 Kilogramm gegen Danny Tempel endlich für den ersten Zähler des einzigen Nord-Vertreters in dieser Bundesliga-Endrunde. Nach nur 47 Sekunden legte de la Croes den Leipziger per Fußtechnik glatt auf den Rücken - 1:5.

    Und dann entzündete Hendrik Schoeman (-81 kg) doch wieder ein kleines Fünkchen Hoffnung am Ende des Tunnels für die Sport-Union, als er seiner Mannschaft im Duell mit Robert Conrad den zweiten Zähler bescherte. In der letzten Kampfminute konterte der hochkonzentrierte Niederländer einen Angriff, bekam dafür eine Yuko-Wertung. Fünf Sekunden vor dem Ende dann per Innensichel sogar noch der ganze Punkt - Ippon für Schoeman, „nur“ noch 2:5 aus Sicht der Wittener.

    In der Pause musste der Annener Coach Andreas Reeh die richtigen Worte gefunden haben - vielleicht aber lag’s ja auch wieder an seinem taktischen Geschick, dass sich die SUA wieder voll ins Geschehen hereinkämpfte. Gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs nämlich sorgte Marvin de la Croes gegen den gut 15 Kilogramm schwereren Henry Hubert für den dritten Wittener Punkt. Clever agierte der Niederländer von Beginn an, ließ den Leipziger Coach nie zu seinen gefürchteten Ansätzen kommen - und ging selbst mit Yuko in Führung nach rund vier Minuten (Tomoe-nage). Ein Schulterwurf kurz vor Schluss brachte die zweite mittlere Wertung für de la Croes - nur noch 3:5.

    Damit nicht genug, sorgte der Niedersachse Johannes Karsch gleich im Anschluss in der 100-kg-Klasse für den vierten SUA-Punkt. Gegen René Kirsten war der Ex-Braunschweiger der weitaus agilere Kämpfer, punktete sehenswert nach feiner Kombination per Uchi-mata (Waza-ari). Ein Yuko zum Abschluss legte er noch oben drauf - die SUA war beim 4:5 wieder im Rennen.

    SUA verkürzt nach Zwischenspurt auf 4:5

    Einen Rückschlag erlitt die Aufholjagd der Reeh-Schützlinge in der 60-kg-Klasse - wieder unterlag Marcel Haupt dem Schweizer Ludovic Charmmartin. Der SUA-Judoka versuchte zwar sein Möglichstes, kassierte dann aber eine Verwarnung und wurde rund eine halbe Minute vor Schluss herbe mit einem Innenschenkel-Wurf (Uchi-mata) erwischt - Ippon, das 4:6 aus Sicht der SU Annen.

    Auch das zweite „Leichtgewicht“ im Wittener Aufgebot zog dann abermals den Kürzeren: Christopher Köllner (-66 kg) brachte zwar selbst eine Yuko-Wertung gegen den 20-jährigen Philipp Mackeldey zuwege, wurde vom Leipziger insgesamt aber sicher beherrscht. Ein Waza-ari (Seoi-nage) brachte den JC-Kämpfer auf die Siegerstraße - nach 3:44 Minuten und einer weiteren schönen Technik gab’s den Ippon für Mackeldey, der auf 7:4 für sein Team erhöhte.

    Seinen ersten Einsatz an diesem Vormittag hatte danach Florian Heimlich (-73 kg), der Jonas Focke ersetzte. Gegen den 19-jährigen Hannes Conrad gab’s in einem offenen Duell trotz einiger guter Versuche lange Zeit keine Wertung. Dann aber gelang Conrad in letzter Sekunde der Ippon-Erfolg zum vorentscheidenden 8:4 perfekt.

    Zum Ausklang des Semifinales sorgte dann noch der Niederländer Hendrik Schoeman (-90 kg) gegen Danny Tempel mit seinem zweiten Zähler per Ippon (Seoi-nage nach nur 40 Sekunden) für das 5:8, Stefan Oldenburg (-81 kg) unterlag schließlich im finalen Gefecht gegen den erfahreneren Robert Gess nach einem Bilderbuch-Schulterwurf (Seoi-nage) nach dreieinhalb Minuten vorzeitig mit Ippon - damit endete das Semifinale aus Annener Sicht mit 5:9, der JC Leipzig zog verdientermaßen gegen ein stark ersatzgeschwächtes Wittener Team in den Endkampf um den Bundesliga-Titel ein.

    Dort allerdings waren die Sachsen dann chancenlos, verloren gegen den nationalen Überflieger TSV Abensberg mit 3:10 - damit stand der 16. deutsche Meistertitel der Bayern fest, die seit 2002 nun neunmal in Serie Champion der Bundesliga wurden. Im Halbfinale hatte das Team um Vize-Weltmeister Andreas Tölzer den KSV Esslingen mit 8:4 bezwungen, der sich nunmehr die Bronzemedaille mit der SU Annen teilt.