• 1. Bundesliga Männer

    Herzschlagfinale der 1. Judobundesliga vor tobender Halle in Abensberg!

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    Hoch her ging es am Finaltag 2012 der 1. Judobundesliga in Abensberg – vor ausverkaufter Halle lieferten sich der KSV Esslingen und der Nordmeister vom UJKC Potsdam ein enges Rennen um den Finaleinzug. Zum Pausenstand trennten sich die beiden Mannschaften mit 3:3. Für die Punkte auf Potsdamer Seite sorgte ein überragender Robert Kopiske (60kg), Pawel Zagrodnik (66kg) und Maxim Chrykuda (90kg). Auf Esslinger Seite punkteten die Georgier Varlam Liparteliani (100kg), Avtandil Tchrikishvili (81kg) und der überragend kämpfende Rene Schneider (73kg). Nach Kämpfen, die teils internationales Niveau erreichten – beide Mannschaften setzten neben ihren deutschen Spitzenkämpfern auch ausländische Starter mit Weltklasseformat ein – zogen sich die beiden Mannschaften in die wohlverdiente Pause zurück und der Gastgeber, der TSV Abensberg, betrat die Matte zur ersten Runde des zweiten Halbfinales gegen den JC Ettlingen.

    Der JC Ettlingen hätte, zumindest nach der Mannschaftsliste, eine vergleichbar hochwertige Mannschaft ins Rennen schicken können, wie die anderen drei Finalteilnehmer. Tatsächlich verzichteten die Verantwortlichen auf Starter wie Timur Bolat-uly (90kg) oder den Georgier Adam Okruashvili (Schwergewicht). Daß mit den anderen guten, aber nicht überragenden, Athleten kein Finaleinzug möglich sein würde, zeigte der klare Zwischenstand zur Pause von 6:1 für den TSV Abensberg. Vier Kämpfe wurden dabei vorzeitig mit vollem Punkt für perfekte Wurftechniken gewonnen. Die Punkte für Abensberg holten Andreas Tölzer (Schwergewicht),Philip Graf (60kg), Sebastian Seidl (66kg), Robert Dumke (90kg), Sven Maresch (81kg) und Christopher Völk (73kg).

     Der zweite Durchgang zwischen dem KSV Esslingen und dem UJKC Potsdam mußte die Entscheidung über den Finaleinzug bringen. Die ersten 4 Kämpfe brachten jeweils zwei Punkte für beide Mannschaften. Im zweiten Durchgang hatten beide Mannschaften ihre stärksten Kämpfer aufgeboten, den Zuschauern wurde nun Weltklassejudo geboten. So standen im ersten Kampf für Esslingen der Russe Maxim Chyrkuda auf den amtierenden Europameister Varlam Liparteliani aus Georgien (100kg). Lipartaliani gewann diese Begegnung überlegen für Potsdam. Im zweiten Kampf traf im Schwergewicht Robert Zimmerman auf den deutlich leichteren Helge Molt, eine Begegnung, bei der das Ergebnis für Esslingen klar vorhersehbar war. Robert Kopsike (60kg) machte mit Lasse Leitert, wie erwartet, kurzen Prozeß, ehe Boris Trupka (66kg) den nächsten Punkt für Esslingen holte. Damit stand es nach vier Begegnungen 4:4 Unentschieden zwischen Mannschaften, die Spannung war kaum mehr zu überbieten. Nachdem beide Mannschaften zum Kampftag hochmotivierte Anhänger mitgebracht hatten, wurden die Judohalle des TSV Abensberg zum vielzitierten Hexenkessel. 

    Bis 90kg trafen mit dem 18jährigen Ungarn Krisztian Toth (90kg), amtierender Europameister der U23, und Avtandil Tchrikishvili, 2010 Weltmeister der U20 zwei echte Spitzenkämpfer aufeinander. In einem der sehenswertesten Kämpfe des Tages gelangen es beiden Athleten nicht, einen Punkt für ihre Mannschaft zu holen! Damit mußten die beiden letzten Kämpfe die Entscheidung über die Finalteilnahme bringen. Hier hatte Esslingen mit Niklas Ebert (81kg) und dem Vize-Deutschen Meister 2012, Rene Schneider (73kg) klar die Nase vorn. Beide Punkte gingen an den KSV Esslingen, der mit einem Punkteendstand von 7:5 ins Finale einzog.

     Im zweiten Durchgang zwischen dem TSV Abensberg und dem JC Ettlingen gingen die Punkte, wie in der Vorrunde in gleicher Höhe an die hochmotivierten Babonen. Die 6 Punkte der zweiten Runde holten Lukas Krpalek (100kg), Dominik Gerzer (Schwergewicht), Manuel Scheibel (60kg), Ilias Iliadis (90kg), Fabian Seidlmeier (81kg) und Kiyoshi Katsumi (73kg). Besonders bemerkenswert waren die Kämpfe des jungen Manuel Scheibel, der den deutschen Spitzenkämpfer Yves Behr mit Yuko besiegen konnte. Ebenso überragend war der Sieg von Fabian Seidlmeier gegen den international etablierten Levan Tsuklauri. Seidlmeier gelang es, trotz eines Waza-ari-Rückstandes, Tsiklauris mit einem Festhalter in die Matte zu betonieren. Die Anhänger dankten es mit stehenden Ovationen. Auch Kiyoshi Uematsu zeigte gegem Soshin Katsumi äußerst vielseitiges Judo, im Stand wie im Boden.

    Mit einem klaren 12:2-Endstand empfahl sich der TSV in die Pause vor dem Finale der 1. Judobundesliga gegen den KSV Esslingen.

     In der Pause fand die Verabschiedung von Ole Bischof, einem der erfolgreichsten deutschen Judoka aller Zeiten, gleichzeitig langjähriges Aushängeschild der Judoabteilung des TSV Abensberg. Bischof wurde von Armin Wolf von Radio Charivari und Dieter Gruschwitz, dem Sportchef des ZDF, verabschiedet. Peter Frese, Präsident des DJB, Vater Gunter Bischof und Otto Kneitinger, Ehrensvorsitzender des TSV Abensberg komplettierten den Reigen der Verabschiedenden. Dem Publikum wurden in einem Kurzfilm sportliche Höhepunkte aus Bischofs Karriere vorgeführt. Im Rahmen der Laudatio erhielt Bischof neben der Ehrenmitgliedschaft beim TSV Abensberg einen goldenen Judoanzug, der speziell für ihn von Adidas gefertigt wurde. Vater Gunter Bischof bezeugte seinen Dank aus Vater-Trainer-Sicht, daß der TSV Abensberg für Ole Bischof ab seiner Juniorenzeit eine sportliche Heimat geboten hätte. Beim TSV Abensberg hätte Ole Bischof eine zuverlässige sportliche Familie gefunden, die die Basis für seinen sportlichen Erfolg sichern konnte. Neben vielen langjährigen Anhängern, die Ole Bischof seine Dankesworte mit stehenden Ovationen vergalten, betonte Bischof auch die privaten Wurzeln, die er durch seinen Abensberg Lebensgefährtin in Abensberg geschlagen hätte. Als Ausklang des kurzen Festaktes begleitete Gunter Bischof seinen Sohn Ole, „so wie er ihn vor vielen Jahren nach Abensberg gebracht hatte“ wieder persönlich von der Matte.

     Nach dem Festakt begann das Finale vor einem erwartungsvollen Publikum. Daß der KSV Esslingen dieses Jahr nicht wieder sang- und klanglos untergehen wollte, wie beim letztjährigen Finale mit 10:2, hatte die Esslinger mit ihrer Mannschaftsliste bereits im Kampf gegen Potsdam klar gezeigt. 

    Und es sollte für die Zuschauer ein richtig spannendes Finale werden – in dem theoretisch auch für die Gäste alles möglich war.

    Einige Eckdaten: Von den 14 Kämpfen des Finales endeten fünf Unentschieden, neun liefen über die volle Kampfzeit. Dies alleine zeigt bereits, wie eng viele der Einzelbegegnungen abliefen.

    Dima Peters (100kg) legte mit einem Ippon für einen Armhebel nach einem Yuko-Rückstand gegen Michael Pinske gut vor. Andreas Tölzer hatte mit dem Fünften der diesjährigen U23-Europameisterschaften, Sven Heinle, wenig Probleme und siegte nach eineinhalb Minuten Kampfzeit. Manuel Scheibel war gegen den erfahrenen Martin Schumacher, Dritter der deutschen Meisterschaften 2011, kräftemäßig chancenlos und unterlag nach gutem Kampf durch einen Festhalter. Sebastian Seidl, amtierender deutscher Meister, traf in beiden Runden (bis 66kg) auf den deutschen Meister von 2003, 2007 und 2010, Boris Trupka. Der 29jährige Trupka spielte seine volle Erfahrung aus und erreichte in beiden Runden ein achtbares Unentschieden gegen den überaus aktiv kämpfenden Seidl. Bis 90kg trat zum ersten Mal in seiner Karriere Ilias Iliadis gegen den Georgier Varlam Liparteliani auf die Matte. Dieser ist mit einem Weltmeistertitel (der U20, 2008) und als amtierender Europameister, international ebenfalls eine Größe. Beide Kämpfer waren sehr gut aufeinander eingestellt, sodaß die Zuschauer vor allem viel aktiven Griffkampf sahen. Nach zwei Strafen für beide Kämpfer gelang es Liparteliani mit einer überaus sehenswerten Wurftechnik, das entscheidende Yuko gegen Iliadis zu erringen. Damit stand es 2:2 zwischen den beiden Mannschaften, woran auch die beiden letzten Kämpfe nichts mehr ändern sollten. Sven Maresch traf auf Avtandil Tchrikishvili, Weltmeister der U20 von 2010 und Fünfter Senioren-Europameisterschaften 2012. Diese Begegnung war ebenso geprägt von sehr aktiven Wurfansätzen und dynamischem Taktieren, wie der folgende Kampf zwischen Christopher Völk und Rene Schneider (73kg). Beide Kämpfe blieben ohne Strafen und endeten ohne Wertungen, boten aber sehenswertes Judo auf sehr hohem Niveau.

    Der Halbzeitstand von 2:2 bot aus Esslinger Sicht die Chance auf eine mögliche Sensation. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung bei den zahlreichen Esslinger Anhängern und der Abensberger Fangemeinschaft.

    Für Runde 2 wurden bei beiden Mannschaften jeweils drei Kämpfer ausgetauscht, was die Spannung weiter erhöhte.
    Lukas Krpalek (100kg) eröffnete mit einem perfekten Ipponwurf nach einer knappen Minute. Anschließend erlebten die Zuschauer einen sehr abwechslungsreichen Kampf, bei dem jede Aktion und jede – teils nicht unbedingt nachvollziehbare – Kampfrichterwertung zuschauerseits lauthals kommentiert wurde. Andreas Tölzer traf im Schwergewicht auf Helge Molt, der eigentlich bis 90kg kämpft. Entsprechend taktisch trat der Esslinger gegen Tölzer in den Ring. Beide Kämpfer erhielten Strafen, Molt wurde nach Klärung durch den Kampfrichterobmann ein Yuko zugesprochen, aus einer Wurfaktion, die von Tölzer begonnen worden war. Letztlich siegte Tölzer mit Waza-ari und sicherte Abensberg einen weiteren wichtigen Punkt zum Zwischenstand von 4:2. Philip Graf gelang gegen den deutschen Vize-Meister von 2009, Lasse Leitert ein wichtiger Sieg; Leitert, optisch dominant und von seiner Mannschaft frenetisch angefeuert, unterlief kurz vor Kampfende ein Fehler, der ihn in einen Haltegriff brachte. Graf gelang es vor dem tobenden Publikum, Leitert über die notwendigen 25 Sekunden zu halten, damit 5:2 für Abensberg. Sebastian Seidl (66kg) traf wieder auf Boris Trupka, die Begegnung endete in einem weiteren Unentschieden. Mit dieser Begegnung, auf die noch drei Kämpfe folgen sollte, war der TSV bereits nahezu sicher Deutscher Meister, der KSV Esslingen mußte jede einzelne Begegnung gewinnen.

    Die Kämpfer aus Esslingen gaben sich jede erdenkliche Mühe – Ilias Illiadis traf wieder auf Varlam Liparteliani. In dieser Runde war Iliadis besser auf den Kampfstil von Liparteliani eingestellt. Beide Kämpfer erhielten je eine Strafe, der Kampf endete verdient Unentschieden – was den vorzeitigen Sieg für den TSV Abensberg bedeutete. Dennoch liefen auch die beiden letzten Begegnungen auf höchstem Niveau ab: Sven Maresch traf wiederum auf Avtandil Tchrikishvili. Dieser hatte sich sehr gut auf Maresch eingestellt, es gelang ihm durch permanente Angriffe, zwei Passivitätsstrafen gegen Maresch zu erwirken, die zu einem weiteren Siegespunkt für das Esslinger Konto führten. Der abschließende Kampf von Kiyoshi Uematsu gegen Rene Schneider bot wieder Judo vom Feinsten. Kiyoshi gelang es mit einem dominanten und sehr aktiven Kampfstil, drei Strafen gegen Schneider zu erwirken, die zu einem Sieg mittels Waza-ari für Abensberg und zu einem Punkteendstand von 6:3 führten.

     Am Ende des langen und hitzigen Kampftages hieß es dann „Der TSV Abensberg ist verdient Deutscher Meister 2012!“

     „Die anderen Mannschaften waren heute sehr gut und haben ernsthaft versucht, uns die Butter vom Brot zu nehmen! Heuer dürften die Unkenrufe von einseitig eingekauften Fremdstartern endgültig verklungen sein. Die Zuschauer durften heute internationale Spitzenkämpfer aus vielen Ländern sehen. Das zeigt uns, daß die deutsche Judobundesliga die stärkste Liga der Welt ist. Wo sonst sieht der Zuschauer so viele Europa- und Weltmeister und Medaillenträger von olympischen Spielen? Wir möchten uns an dieser Stelle bedanken für die tollen Kämpfe, die uns die anderen Mannschaften geboten haben und für die tollen Fans aus Abensberg. Nur durch derartig starke Gegner können wir Abensberg unser Spitzenniveau halten. Schön, daß auch die anderen Mannschaften so treue und begeisterte Anhänger dabei hatten! Danke auch an unsere Sponsoren und die Medien, die es uns ermöglichen, eine derartige Veranstaltung auf so hohem Niveau auszurichten“, so der Ehrenvorsitzende Otto Kneitinger.

    Der Finaltag fand einen gemeinsamen Abschluß mit den Gästen aus Esslingen und Potsdam beim Feiern bis in die frühen Morgenstunden, ehe sich die Gastmannschaften wieder Richtung Heimat aufmachten.