• 2. Bundesliga Männer

    Ende der Leidenszeit

    3 Jahre laborierte Alexander Lenk an diversen Verletzungen. Nun endlich kehrt er zurück auf die Tatami und gehört zu den Hoffnungsträgern der halleschen Judoka.

    VON PETRA SZAG, 05.05.11, 22:07h, aktualisiert 05.05.11, 22:13h
    Alexander Lenk
    Nach langer verletzungsbedingter Pause will Halles Judoka Alexander Lenk nun wieder voll angreifen. (FOTO: ANDREAS LÖFFLER)
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    Halle (Saale)/MZ. Scheinbar mühelos bugsiert Alexander Lenk mit seinen Füßen die Gewichte auf der Beinpresse nach oben. Nur sein Gesicht verrät die Anstrengung, der sich der Judoka beim Krafttraining aussetzt. Und es zeigt allerhöchste Konzentration. Angst, sich möglicherweise erneut zu verletzen, hat der 24-Jährige nicht. "Das Bein hält", sagt Lenk im Brustton der Überzeugung. Wäre er sich nicht sicher, hätte er auch nicht das Comeback gewagt.

    Letzten Samstag machte Lenk nach fast dreijähriger Zwangspause auf der Judomatte die Probe aufs Exempel. Und durfte in dem Zweitliga-Duell mit dem Offenbacher Lukas Sonne nach anderthalb Minuten endlich wieder das Gefühl des Erfolges auskosten. Am Samstag hofft der Halbleichtgewichtler des SV Halle, beim ersten Heimkampf in dieser Saison gegen Riesa noch einmal in diesen Genuss zu kommen. Schließlich hat er eine kleine Ewigkeit darauf verzichten müssen.

    Wie er das Erfolgserlebnis nach der langen Leidenszeit empfunden hat, lässt sich gar nicht so leicht in Worte fassen. "Natürlich war ich aufgeregt vor dem ersten Wettkampf. Und als alles vorbei war, ist mir nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen, sondern ein ganzer Felsbrocken", sagt der ruhig und besonnen herüberkommende Lenk. Im ersten Augenblick fühle sich das alles wunderbar an, "auch wenn ich weiß, dass ich längst noch nicht da angekommen bin, wo ich hin will".

    Die Geduld habe er jedenfalls nie verloren. Weder nach seinem Knöchel- und Wadenbeinbruch kurz vor Saisonbeginn 2008. Und auch nicht, als ihm gut ein halbes Jahr später nach Wiedereinstieg ins Training das Kreuzband im linken Knie riss. Dass er zu früh wieder auf die Judomatte zurückgekehrt war, glaubt Lenk nicht, obwohl ihm das gleiche Malheur nur Monate später noch einmal passierte.

    Nicht einen einzigen Gedanken habe er daran verschwendet, alles hinzuschmeißen, versichert Lenk. "Ich habe gemerkt, wie sehr mir mein Sport fehlt. Mein Bewegungsdrang ist unglaublich groß."

    Und noch etwas anderes ist dem ehemaligen Sportschüler während der Verletzungspause klar geworden. Das Geographie-Studium entsprach nicht seinen Vorstellungen, "es war einfach zu viel Informatik und Mathematik". Seine Rehamaßnahmen wiederum verfolgte er mit großem Interesse. "Deshalb habe ich jetzt eine Ausbildung zum Physiotherapeuten begonnen", sagt der Langenbogener. Bestärkt hat ihn darin Enrico Berg. "Er hat mich praktisch vom OP-Tisch bis heute durch die Reha begleitet", sagt Lenk über den früheren Auswahl-Ringer vom SV Halle.

    Der Wettkampf am Samstag gegen Riesa soll dem 1,71 Meter großen 66-Kilo-Mann noch einmal Selbstvertrauen geben. Wo er wirklich steht, wird dem früheren U-15- und U-17-Bundeskader ein Ranglistenwettbewerb des Verbandes 14 Tage später verraten. "Früher hat mir oft die Psyche einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Training habe ich gute Leistungen gezeigt, doch im Wettkampf lief es dann völlig anders", sagt Lenk. Auch wenn der Spaßfaktor in seiner Ligamannschaft groß ist, nehme er den Wettkampf doch sehr ernst. "Aber ich setze mich nicht unter Druck. Keine Ahnung, ob ich nochmal herankomme an die Spitze."

    Ein Versuch ist es allemal wert.

    Der Zweitligawettkampf zwischen dem SV Halle und dem VfL Riesa beginnt am Samstag um 16 Uhr in der Robert-Koch-Halle.



    Mitteldeutsche Zeitung, Tagesausgabe vom 06.05.2011